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Gesellschaft CJZ Minden e.V.

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Februar 2021

Shalom aus dem heiligen Land!

Mein letztes Update ist schon wieder zwei Monate her, obwohl die Zeit sich nicht so lang anfühlt.
Wir sind gerade in der Halbzeit angekommen, wir sind seit genau 6 Monaten hier und haben noch genau 6 Monate vor uns.

Direkt nach meinem letzten Eintrag wurde der Lockdown wieder verschärft und ich konnte nicht einmal mehr ins Archiv zum Arbeiten. Es saßen also zumindest alle von uns, die nicht in Schulen oder Altenheimen arbeiten, den ganzen Tag, die ganze Woche zu Hause.
Dazu kam, dass einer meiner Mitbewohner sich irgendwo mit Covid-19 angesteckt hat und wir somit allesamt für zwei Wochen in häusliche Quarantäne mussten. Insgesamt habe ich einen ganzen Monat ausschließlich zu Hause verbracht. Am Ende der Zeit waren wir alle sehr bereit wieder arbeiten zu gehen.
Ich mag mein kleines Zimmer, aber für so eine lange Zeit daran gebunden zu sein ist nicht unbedingt, was ich mir unter meinem Auslandsjahr vorgestellt habe.

      

Nach dem Lockdown ging es allerdings schnell wieder bergauf. Seit ungefähr 3 oder 4 Wochen kann ich wieder arbeiten gehen und das Land erwacht langsam wieder. Diesen Sonntag sollen sogar die Restaurants und Cafés wieder öffnen dürfen. Es fühlt sich beinahe wieder normal an, obwohl es das gerade in Jerusalem nicht ist.

Mittlerweile sind alle in meiner WG geimpft. Beziehungsweise drei sind vollständig geschützt, haben also beide Impfungen bekommen, einer hatte Corona und ist deshalb immun und mein letzter Mitbewohner und ich haben es vor beinahe 3 Wochen endlich geschafft, ebenfalls die erste Impfung zu erhalten. Am 8. März bekomme ich die zweite und werde dann eine Woche später vollkommen geschützt sein. Diese erste Impfung allein hat mir eine unglaubliche Last von der Brust genommen. Sobald alle meine Mitbewohner und ich geschützt sind, können wir endlich anfangen unser Leben hier wirklich aufzunehmen.

Im Archiv habe ich eine Woche nach dem Ende des Lockdowns endlich mein bisheriges Großprojekt fürs erste abgeschlossen. Ich hatte seit beinahe 4 Monaten an derselben Sammlung an Wiedergutmachungsfällen gearbeitet und habe nun endlich die letzte Kiste an Akten abgeschlossen.
Somit konnte ich endlich ein Projekt anfangen, auf das ich mich seit der Verschärfung des Lockdowns gefreut hatte. Am letzten Donnerstag bevor das Archiv geschlossen wurde, war ein Paket mit einer Privatsammlung aus Deutschland angekommen. Leider war es während eines Sturmes in Israel draußen gelagert worden und komplett durchnässt. Als es dann im Archiv ankam, waren viele der Dokumente und Fotos noch immer feucht und verschimmelt. Die Sammlung war in einem furchtbaren Zustand und wir mussten sie über die Zeit, die das Archiv geschlossen sein sollte, in einem der Räume zum Trocknen auslegen. An dem Tag hatte ich meinen Chef gebeten diese Sammlung bearbeiten zu dürfen.
Vor zwei Wochen durfte ich endlich damit anfangen, mich intensiv mit dieser Sammlung auseinander zu setzen. Die ganze Sammlung ist sehr privat und besteht hauptsächlich aus Fotos aus der Zeit zwischen 1900 und 1960, privaten Briefen und mehreren Tagebüchern. Eines der Tagebücher hat es mir besonders angetan und ich werde mir gerade dafür mehr Zeit nehmen.
Allgemein macht die Arbeit mir derzeit unendlich viel Spaß.

Auch meine beiden älteren Damen darf ich endlich wieder besuchen gehen. Ich habe beide seit beinahe zwei Monaten nicht mehr gesehen und freue mich endlich wieder mit ihnen sprechen zu dürfen.

Neben der Arbeit nimmt auch mein sonstiges Leben hier Fahrt auf. Letztes Wochenende (25. -27.02.2021) war Purim, das jüdische Äquivalent zu Fasching, und vier andere Freiwillige und ich haben einen kleinen Trip nach Tel Aviv unternommen. Ich selbst bin 6 Tage lang dort geblieben und habe die Sonne genossen.
Außerdem konnte ich endlich einen Freund wiedersehen, den ich schon von dem Austausch kenne, den ich vor drei Jahren mit der Christlich-Jüdischen Gesellschaft in Minden unternommen habe.
Dazu habe ich eine Mitfreiwillige besuchen können, die vor beinahe einem Monat in einen schweren Autounfall verwickelt war. Sie liegt derzeit in der Reha in Tel Aviv und ich konnte eine Weile lang mit ihr im Rollstuhl raus gehen, was uns beiden gutgetan hat. Allgemein tat es gut mal aus Jerusalem heraus zu kommen, gerade nach einem so langen Lockdown.

Jetzt bin ich einfach gespannt, wie die zweite Hälfte meines Jahres hier wird. Ich bin sehr zuversichtlich, dass jetzt alles besser wird mit den Impfungen (auch wenn es bisher schon gut war).
Also bis zu meinem nächsten Update schicke ich viele Grüße und Gebete, dass die Corona-Situation sich auch in Minden bald bessert, nach Hause.

Janne

PS: Hier hat es übrigens auch geschneit – kaum zu glauben.